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Falko Hennig
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KURZBIOGRAFIE

1969 geboren in Berlin.

1986 - 88 Lehre zum Schriftsetzer in der Druckerei des MfNV.

1987 - 89 Abitur in der Abendschule.

1988 - 98 verschiedenste Jobs.

seit 1994 Kolumne über Berliner Geschichte in der Stadtzeitung „scheinschlag“ („Berlin 1894“ bis „Berlin 1905“)

ab 1995 Mitarbeit in der Reformbühne Heim & Welt, Kurzgeschichten, Hörspiele, Essays.
1996 Gründung der Charles-Bukowski-Gesellschaft (www.Bukowski-gesellschaft.de)

1997 – 99 Kolumne „Berliner Zimmer“ in der taz.

Sonstige Veröffentlichungen u. a. in: „Salbader.“, „Titanic“, „Frankfurter Rundschau“, „konr@d“, „Hebammen-Info“, „NRC HANDELSBLAD“, „FAZ“.

Seit 1997: RADIO HOCHSEE an wechselnden Orten, Auftritte u. a. in der Volksbühne, Themenabende, in Berlin jeden 2ten and 4ten Mittwoch im Monat, 20 Uhr, Kaffee Burger, Torstr. 60.

1997/98 Arbeit an dem Roman ALLES NUR GEKLAUT.

Seit 1999 Mitarbeit an „Alkor“, „Echolot“ und an „Ortslinien“ von Walter Kempowski.

Mai bis Oktober 1999: Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin.

Seit 2000 als Buchautor, Journalist und Vortragsreisender selbständig.

März 2002: FUENF FINGER BUCHPREIS (Wanderpokal, der aus einer bronzenen Hand besteht)


Bereits erschienene Bücher:

-Roman ALLES NUR GEKLAUT (MaroVerlag, Augsburg 1999, Taschenbuch 2001 bei btb).

-Gastronomie in der Krise (P. Wilson Verlag, Berlin 1998).

-Jahrbuch der Charles-Bukowski-Gesellschaft (Herausgeber), Berlin 1998.

-[bju:k], Jahrbuch der Charles-Bukowski-Gesellschaft 2000 (Ariel Verlag, Riedstadt 1999).

-Roman TRABANTEN (Piper Verlag, München, 2002).

-Radio Hochsee (2004 bei Piper, München)

-Springfield auf Trip (2004 bei The Grüne Kraft, Löhrbach, www.gruenekraft.net)

-Herausgabe von Doppel-CD (www.reptiphon.de) und Buch (Goldmann) zu 10 Jahren Reformbühne Heim und Welt.


Filmvorträge:

-Charles Bukowski und der Film

-Halluzinationen bei den Simpsons (beide erfolgreich in ganz Deutschland u. a. in Dresden gehalten)

-Themenabende u. a. zu Johnny Cash, Barney Gumble und Hubschraubern


2004 Gast-Redakteur der taz zum Thema Ostdeutschland.

Seit 2004 Interviews in GALORE, u. a. mit Walter Kempowski, Tim Renner, Ray Harryhause, Albert Speer.

Jubiläumsvorstellung zu 10 Jahren Reformbühne Heim und Welt in der Volksbühne im Januar 2005 ausverkauft.

Lesungen u. a. in der Volksbühne, tRÄNENpALAST, Tempodrom (alles Berlin), den Münchener Kammerspielen, Deutsch-Amerikanisches Institut Heidelberg.

RADIO HOCHSEE Themenabende u. a. mit Rosa von Praunheim, Thomas Brussig, Jörg Buttgereit, Wolfgang Müller, Matthias Penzel, Thomas Kapielski, Wladimir Kaminer, Heinrich Dubel und Frieder Butzmann.

Feature Opferbahnen (WDR, 2005).

2001 Anthologien TRAUMSTADTBUCH (Rowohlt),
FRISCHE GOLDJUNGS (Bertelsmann),
ASPHALPOETEN (CD bei Kein & Aber, 2001),
WAHLVERWANDTSCHAFTEN (Aufbau 2002),
PLANET SLAM (yedermann, München 2002),
WILDER OSTEN (fischer, 2002),
DAS BESTE HÖRT SICH SCHEISSE AN (Fünf Finger Ferlag, Leipzig 2002),
BERLIN IM LICHT (Suhrkamp, 2004).

 

 

 

 


Mario Weber und Johnny Cash
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70 MAL "I WALK THE LINE"


Zum 70. Geburtstag von Johnny Cash fand im Guibal-Saal in der Nacht zum 26. Februar 2002 ein Themenabend von Radio Hochsee statt, Gast-Experte war der Johnny-Cash-Forscher Mario Weber.
Am 12. September 2003 ist Cash 71jährig gestorben.

Falko Hennig: Wie bist Du auf Johnny Cash gekommen?
Mario Weber: Das frage ich mich auch. Ich habe von San Quentin den Film gesehen, der lief damals in den öffentlich-rechtlichen, und ich fand das interessant und spannend. Ich bin dann in die Bibliothek gegangen, da konnte man sich damals noch Schallplatten ausleihen, und hab mir von ihm Sachen ausgeliehen und das hat mir gefallen. So bin ich dazu gekommen.

War der San Quentin Film damals das ein richtiger Kinofilm?
Nein, der ist nie ins Kino gekommen, das war von vornherein eine TV-Produktion, sowohl in Amerika als auch im Rest der Welt.

Erinnerst du dich genau, was dich bei diesem Film gepackt hat? Hattest du davor noch nichts von Johnny Cash gehört?
Davor hatte ich noch nichts gehört. Ich fand es einfach faszinierend, dass jemand ins Gefängnis geht, nicht nur da auftritt, sondern daraus auch noch ne Platte macht. Zu dem Zeitpunkt habe ich auch noch nicht gewusst, dass er das vorher in Folsom Prison schon mal gemacht hat.

Was hat es damit auf sich, warum und wie oft ist er in Gefängnissen aufgetreten?
Er hat bis Mitte der 80er Jahre Gefängnisauftritte gehabt. Der allererste war in Folsom gewesen, da hat der Leiter des Gefängnisses ihn auf Grund des Songs „Folsom Prison Blues“ gebeten, vor den Leuten aufzutreten.

Er sagt doch, dass er ihn in der Nacht vorher geschrieben hat.
Nein, „Folsom Prison Blues“ ist doch aus der Sun-Zeit. Die Nacht vorher geschrieben, das war was anderes. Das war in Bezug auf „A Boy named Sue“, ein Tag, bevor der Auftritt hier war, 24. Februar 1969, hat Shel Silverstein ihm das Lied, die Noten und den Text gegeben, und deshalb mussten sie vom Blatt ablesen. Er fand das Lied einfach klasse und musste es deshalb unbedingt bei diesem Gefängnisauftritt bringen. Deshalb ist es auch ein bisschen holprig, wie es vorgetragen wird.

Da habe ich schon viel Schlimmeres gehört. Dieser Gefängnisdirektor fragte ihn, ob er Lust hätte, da im Gefängnis aufzutreten, und dann machte er das. Oder war es auch eine geschäftliche Sache?
Nein, er hat dafür kein Geld bekommen, sogar in späteren Jahren, als er genug Geld hatte, die Kosten selber getragen, damit das Budget des Gefängnisses geschont wird, keine Spesen.

Wie ist das zu erklären? Gibt’s da biografische Bezüge? War Cash selber mal im Gefängnis?
Nie ernsthaft, er war einmal über Nacht in einer Ausnüchterungszelle, weil er betrunken vom Straßenrand Blumen gepflückt hat. Das hat dem Sheriff nicht gefallen, und deshalb musste er einen Tag ins Gefängnis.

Da sind wir ja schon bei diesem nicht unwichtigen Komplex „Johnny Cash und Drogen“.
Ja, das passt zusammen.

Obwohl du ja behauptest, Cash wäre gar kein Trinker, wie passt es da zusammen, dass er betrunken Blumen pflückt?
Dass er nun in Bezug auf Alkohol Abstinenzler war, das nicht. Aber Alkohol hat bei ihm nie eine Rolle gespielt, es waren dann die Aufputschmittel und die Schlaftabletten, das war es in der Hauptsache. Er ist ein Mensch, der immer viel erleben muss, und eine Woche wach sein war dann normal.

Bist Du der bedeutendste Cash Experte von Berlin?
Von Berlin ja, von Deutschland schon nicht mehr, da gibt es im Kreis von Hamburg den europäischen Johnny Cash Fanclub und ein Freund von mir beschäftigt sich in seiner Freizeit, 4, 5 Stunden am Tag, mit Johnny Cash. Und das wär mir ein bisschen zuviel. Der schreibt zum Beispiel bei den Platten und Kassetten die er hat, nicht mehr die Titel hin, sondern die Matrix-Nummer, weil er alles auswendig kann.

Was macht der beruflich, dass er sich jeden Tag 5 Stunden mit Johnny Cash beschäftigen kann?
Der ist Professor an der Bonner Uni für Politologie.

Hast du auch veröffentlicht zum Thema?
Ich habe fast die gesamte Europa Tour von Cash ‘95 mitgemacht, ihn wochenlang begleitet und habe darüber in einem Gothic Magazin, einem Magazin vom Europäischen Johnny Cash Fanklub und für ein kleines Country-Magazin geschrieben.

Was sammelst du von Johnny Cash?
In der Hauptsache sämtliche Tonträger, die weltweit erschienen sind. Man hat dann auch „I walk the line“ so circa 70 mal in derselben Version.

Die ersten Lieder erschienen bei Sun Records, wo auch der junge Elvis Presley entdeckt wurde, kannten die sich damals schon?
Die haben sich bei Sun kennengelernt, sind dann auch zusammen auf Tour gegangen, Cash war Vorprogramm von Elvis.

Was kannst du noch zu seinem ersten Song „Hey Porter!“ sagen, das war doch sone 45er Scheibe, wie sie die Älteren noch kennen. War denn diese erste Single ein Erfolg?
Porter ist derjenige, der in der Eisenbahn die Verbindungen macht und die Karten knippst, Schaffner und Auskunftsmensch. Die Single hatte 1955 relativen Erfolg, deshalb durfte Cash auch Gospels aufnehmen, er wollte ja eigentlich Gospel-Sänger werden. Die wurden aber nicht veröffentlicht.

In welcher Situation war Johnny Cash damals?
Er war damals 23, er war u. a. Staubsaugervertreter gewesen, ein furchtbar schlechter. Und der Chef in der Firma wusste, dass er Sänger werden wollte, und hat ihm einfach Geld gegeben und gesagt: „Also versuchs! Und wenn du irgendwann mal dein Geld verdienen solltest, was ich überhaupt nicht glaube, dafür bist du viel zu faul, dann zahlst du mir das zurück.“ Und so hat er einfach den Luxus gehabt, dass er nicht arbeiten musste, und konnte kleine Klubtouren machen, wie gesagt als Vorgruppe von Elvis.

Aber es gibt doch auch einen Film, wo er diese Glühbirnen zertritt, wie kam es, dass er auf der Bühne die Beleuchtung der Scheinwerfer zertritt?
Er hatte von ABC von 1969 bis 1971 jeden Samstag eine Fernsehshow, das war in Frühjahrs- und Herbst-Staffeln aufgeteilt, also nicht 53 Shows. Bei einer der letzten Shows brach er mitten im Lied „A Boy named Sue“ ab, ging nach vorn und zertrümmerte in der Grand Ole Opry die Lampen, die von unten schienen. Seine Begründung war hinterher: „They were hurting my eyes.“ Sie haben mich geblendet.

Was ist davon zu halten? Er war ja nicht das erste mal da und die Lampen hatten die selbe Lichtstärke. Kann man als Motivation für diese Tat Hass gegen das Establishment in Gestalt der Opry annehmen?
Nein, ich nehme an, die Mischung der Tabletten war einfach falsch.

Hat Cash denn über Geheimnisse dieser Art Auskunft gegeben in seiner Biografie?
Nein, hat er nicht. Er hat auch jahrelang abgestritten, dass er für Pepsi-Cola einen Commercial aufgenommen hat, bis wir ihm dann die Platte in die Hand gedrückt und gesagt haben: „Jetzt kannst du dirs ja selber nochmal anhören.“ Er hat das einfach abgestritten, weil‘s ihm peinlich war. Und sowas hier würde er auch abstreiten.

Nochmal zu deiner eigenen Johnny-Cash-Geschichte, du hast dieses San Quentin Konzert im Fernsehen gesehen und bist dadurch zu einem Fan geworden, oder dauerte das noch länger?
Das dauerte noch länger, ich habe erst 1976 angefangen, zu sammeln. Erst ging der Weg in die Bibliothek, weiß ich von wieviel Leuten ich mir Platten ausgeliehen habe, und dann waren die Sachen nicht da, die ich haben wollte, von Pink Floyd und so. Nur die Cash Sachen waren da, und da habe ich die mitgenommen und fand das Klasse. Bin auch noch über die San Quentin Platte gestolpert, und dachte: „Ja, Klasse, das ist gut.“

Und wann bist du Johnny Cash das erstemal leibhaftig ansichtig geworden?
Ein Jahr später, im April ’78. Er war in Berlin in der Deutschlandhalle. Meine Schwester hat zu der Zeit als Discjockey gearbeitet, habe gesagt: „Ich muss unbedingt von Johnny Cash ein Autogramm haben.“ Da hat sie das Hotel herausbekommen, ich bin nach dem Konzert ins Intercontinental in der Budapester Straße. Bin abends hin und fragte völlig naiv: „Ich hätte gern ein Autogramm von Johnny Cash.“ Da kuckte der mich etwas mitleidig an und sagte: „Die reisen morgen früh um 5 ab.“ Wahrscheinlich in der Hoffnung, dass ich nicht zäh genug bin, das zu machen. Und habe meinen Eltern einfach gesagt, dass ich morgen nicht zur Schule gehe, weil ich zu müde wär. Bin um 4 wieder aufgestanden, um pünktlich am Hotel zu sein. Da waren die Musiker in der Lobby zu sehen und er auch mit bei. Ich war irgendwie nicht fähig, ihn vernünftig mit einem geraden Satz anzusprechen, sondern ich hielt ihm mit zitternden Händen Filzstift und Platte entgegen, und er hat verstanden, was ich meinte.

Und auf dieser Platte steht einfach „Johnny Cash“ drauf?
Ja, weil ich war nicht fähig zu sagen: „Bitte Signatur für ...“ oder so, weil mein Englisch war weg und meine Sprache auch.

Du hast Cash dann öfter persönlich getroffen, wie oft?
Ich gebe zu: oft.

War er immer nett oder auch mal deutlich genervt von dir? Warst Du ein Groupie?
Wahrscheinlich geworden, ja. Er war nett genug, Wünsche, die erfüllbar waren, hat er auch erfüllt. Wenn Leute wussten, dass ich Johnny Cash treffe, haben sie mir Plattencover mitgegeben und Bücher zum Unterschreiben. Da war er höchst geduldig und hat das auch erfüllt.

In seinem Haus warst du nicht, aber durchaus mal auf seinem Grundstück?
Am Hickory See, da hat er einfach dazu eingeladen. Er wusste, dass ich mit meiner damaligen Freundin dorthinfahre, da hat er uns kurz das Grundstück gezeigt. Aber ins Haus durften wir nicht.

Es gibt auch ein Museum?
Es gab ein Museum, das wurde geschlossen, als seine Mutter, die das Museum geleitet hat, verstorben ist, weil er selber diese Merchandise Sachen nicht mag.

Das sind wahrscheinlich so Bieruntersetzer mit Johnny Cash Bild drauf?
Von Socken über Kugelschreiber alles, was man sich vorstellen kann, wo man den Namen Johnny Cash raufmachen kann. Da ist er jetzt kein spezieller Mensch, der das als einziger macht. Elvis Presley Merchandise sind noch schlimmer.

Dieses Museum befand sich in der Nähe von seinem Haus?
Ja, es waren 2 Minuten Fußweg, und in der Hauptsache hatte er seine goldenen Schallplatten ausgestellt, den Jesus-Film, den er gemacht hat, „Gospel Road“, da war das Kreuz zu sehen, Erinnerungsfotos. Einen Stuhl von Al Capone hat er gehabt.

Einen echten Stuhl von Al Capone? Wie kriegt man denn sowas?
Den Lieblingsstuhl von Al Capone hat er auf einer Auktion ersteigert. Dann hatte er von Tick, Trick und Track und Onkel Donald das Auto aus dem Comic. Das Auto wurde im Original nachgebaut, das ist auch funktionstüchtig, und das stand da auch nur so.

Cash und Drogen, er war ja als GI in Deutschland stationiert, bei Elvis Presley heißt es ja, dass er in seiner Zeit als Soldat mit bestimmten Drogen in Kontakt gekommen ist. Gibt’s da bei Cash Informationen?
Er ist da eigentlich sehr viel mit Alkohol in Berührung gekommen, das ist eine Zeit, in der er wirklich gesoffen hat. Das hat er selbst geschrieben. Er sagte, das Bier und die Frauen seien sehr schön in Deutschland.

Gibt’s Informationen zu den Frauen?
Er soll ein relativ treuer Ehemann sein. Also er war in dieser Hinsicht nicht so sonderlich aktiv.

Er war ja ein Fan der Carter Family, da liegt es ja auf der Hand, eine der Carter-Töchter zu heiraten.
Elvis, die Carter Family und Cash hatten in der Grand Ole Opry Ende der 50er Jahre zusammen einen Auftritt. Und da hat Elvis June Carter und Johnny Cash vorgestellt, weil er schon ahnte und sagte: Das wird mit den beiden was werden. Und es wurde was.

Sie schauten sich in die Augen und spielten die ganze Nacht diese alten Balladen?
Da sind keine näheren Dokumente vorhanden.

Sie heirateten, bekamen Kinder und hatten auch viele Konzerte miteinander.
Die Idee entstand dadurch, dass die Kinder von June Carter und Johnny Cash zusammen betreut werden könnten. Und sie zusammen auf eine Package Tour gehen können. Das war die Ursprungsidee Mitte der 60er Jahre. Sie hat Kinder, er hat Kinder, und zusammen haben sie auch noch ein Kind.

Das ist verwirrend.
Sie war mal mit Cal Smith verheiratet, hatte mit dem 3, 4 oder 5 Töchter, da liest man immer wieder neue Namen. Johnny Cash hatte 4 Töchter aus der ersten Ehe.

Von wann bis wann hatte er diese eigene Fernsehshow?
Von 1969 bis 1971, wo er diese legendäre Trümmershow veranstaltet hat.

Nochmal auf das Rauschgift zurückzukommen, es gibt diesen Song, der nur ein einziges Mal von Cash in seiner eigenen Show gespielt worden und der in Bezug auf Drogen besonders aufschlussreich ist.
Der ist eine Parabel, er erzählt seine eigene Geschichte, wie er von den Drogen runter gekommen ist.

Und den nennt er Onkel Bill. Hat er den Song jemals auf Platte gemacht?
Das hat die Plattenfirma abgelehnt.

Weil er zu Drogen verherrlichend ist? Eigentlich ist es ja eine relativ realistische Schilderung des kalten Entzuges.
Eigentlich ja, aber das war denen nichts, das wollten die nicht haben. Nach „Sunday morning coming down“, das war denen schon zu heftig gewesen, wollten sie nicht noch so‘n Drogenlied haben, was dann noch ein Hit wird.

Die Geschichte von „Sunday morning coming down“ muss unbedingt nochmal erzählt werden. Das hat ja nicht Johnny Cash geschrieben, sondern ...
Kris Kristoffersson, der hats ihm zugeschickt, er hat‘s ihm im Studio persönlich gegeben, aber Cash hat darauf nicht reagiert. Kristoffersson ist beim Militär Hubschrauberpilot gewesen und er hat sich bei einem Freund in betrunkenem Zustand einen Hubschrauber genommen und ist zu Cash auf das Grundstück zugeflogen, ist dort auch gelandet und hat gesagt: „Wenn du dich jetzt nicht an mich erinnerst, wann dann?“ Und hat ihm dann nochmal diesen Song in die Hand gedrückt.

Dann hat Johnny Cash ihn sich angehört?
Und dann hat er Kristoffersen reingebeten, es kam jetzt nur noch Militärpolizei, weil in der Nähe von dem Grundstück von Cash ein Militärarreal ist. Hin und Her und große Aufnahme und Verhaftung und gleich wieder Entlassen. Dann hat Cash ihn reingebeten, ihn in ein Gästezimmer geschickt zum Ausnüchtern. Und als er dann nüchtern war, haben sie sich übers Lied unterhalten.

Was hat Johnny Cash alles auf finnisch gesungen?
Die Frage kann man andersrum beantworten, er hat eigentlich außer englisch nur zwei weitere Sprachen benutzt, ein Lied auf spanisch „Anillo de fuego“ und dann hat er noch 6 Lieder auf deutsch gesungen.

Eins hieß im Original „6 feet high and rising“, da geht’s um Hochwasser, sie sitzen da auf einem Haus. In der deutschen Version ist es viel tiefer: „Wo ist zu Hause, Mama?“ Wie kam es, dass er Songs auf deutsch gesungen hat, war das wegen seiner GI-Zeit in Deutschland?
Nein, die Niederungen des Showgeschäfts, in New York allesamt aufgenommen 1965, und es war schlicht wegen des Geldes.

Und das hat sich gerechnet, die wurden dann in Deutschland verkauft?
Ein Lied, „Kleine Rosmarie“ und „Wer kennt den Weg“ wurden veröffentlicht, mit einem nicht so tollen Erfolg. Da hat man gesagt, die anderen Lieder müssen jetzt nicht rauskommen, die wurden dann später veröffentlicht, u. a. auch „In Virgina“.

Johnny Cash hätte sich für diese Songs auch umbenennen können, in Johann Bargeld zum Beispiel. Wie kam Cashs Zusammenarbeit mit der Punkband „One Bad Pig“ zustande?
Diese amerikanische Band singt Gospellieder, aber in Punkversion. Das fand er so abgefahren, dass er gesagt hat, er macht da mal mit für ein Lied, und hat mit denen zusammen „The Man in Black“ gesungen.

Ist das ein Extrem, das er nicht mehr überschritten hat?
Nein, was härteres in der Musikrichtung gibt’s von ihm nicht.

Es gibt etwas, das besser niemals gesendet worden wäre, weil es so schlecht ist Johnny Cash 1983 zu Gast bei „Wetten daß ...?“
Es hatte einfach nur die Chance, weil es life gesendet wurde. Das ist schwer zu erklären. Als ich am nächsten Tag mit einem von der Band gesprochen habe, fand der das eigentlich recht normal, und fragte, was denn an diesem Auftritt so schlimm gewesen sei. Ich finde, das spricht eigentlich für sich.

Das heißt, er hat in dieser Zeit viele Auftritte dieser Art absolviert?
Ich hab es nicht gesehen, die Tour danach war für mich in Ordnung gewesen. Wie gesagt, die Musiker zuckten die Schultern und sagten: „That’s the way it is.“

Es war die letzte Sendung, in der die Musiker life singen durften, danach ...
...haben Abba und alle anderen Bands Voll-Playback singen müssen.

Am schrecklichsten ist, wie Cash in völliger Verkennung seines geistigen Zustandes versucht, zu dem Publikum deutsch zu sprechen, und das wirklich minutenlang. Was war der Grund für diesen künstlerischen Ausnahmezustand, in dem sich Cash damals befand?
Er hat es in der aktuellen Biografie, die er mit Patrick Carr zusammen geschrieben hat, erklärt. Er sagt, dass er zu der Zeit schwer von Schmerzmitteln abhängig war. Und er ist direkt von Amerika nach Deutschland geflogen, am Flughafen angekommen direkt in die Halle, hat sich wohl im Flugzeug noch umgezogen und ist so auf die Bühne gegangen. Er hatte eine Operation, er wurde von einem Strauß angegriffen.

Von einem was? Strauße leben doch nur in Südafrika.
Er hat welche auf seiner Farm.

Er wurde von seinem eigenen Strauß angegriffen? Und es gibt Fans, die das glauben?
Auf jeden Fall würde es die Schmerzmittel erklären.

Also ich habe schon sehr viel plausiblere Erklärungen für Schmerzmittel gehört.
Vielleicht ist gerade das Unwahrscheinliche das Wahre. Stell dir mal vor, er hätte erzählt: Autounfall oder so, das hätte ihm ja niemand geglaubt.

Von diesem Straußen-Angriff, gibt’s da eigentlich Filmaufnahmen?
Wenns welche gibt, sind sie mir nicht bekannt.

Was hast du beispielsweise an seltenen Aufnahmen?
Zum Beispiel „Leave that Junk alone“ ist eine Rarität, das ist eine Demo-Aufnahme von 1957, die aus verständlichen Gründen damals auch nicht veröffentlicht wurde, weil einfach das Thema nicht in Ordnung ist. Das ist eine Demo-Version, wo er wenn überhaupt, nur 3 Akkorde spielt. Und er hat dieses Band weitergegeben und es wurde nie etwas draus gemacht. Von diesem Lied existiert auch nur diese Demo-Version.

Johnny Cash und Bob Dylan, wie oft haben die zusammen musiziert?
Sie waren seit Jahren befreundet, besuchten sich auch gegenseitig und tauschten Material aus.

1969 im Fernsehen musizieren sie in einer etwas surrealen Kulisse.
Das interessante ist, dass Bob Dylan es in den 60er Jahren generell abgelehnt hat, bei Fernsehshows aufzutreten, das hat er nie gemacht. Dann hat Cash die ABC-Show zugeschoben bekommen, bei der allerersten Show hat Cash Bob Dylan gefragt, ob er mit ihm ein Duett singen würde, von der Platte die sie zusammen veröffentlichen wollten, und da hat Bob Dylan zugesagt und ist dann dort auch wirklich aufgetreten.

Johnny Cash und der Humor, es gibt sogar ein Buch mit eigentlich unglaublichen Cash-Anekdoten. Aber du hast selber auch so etwas erlebt.
In dem Buch wird beschrieben, wie er sein Hotelzimmer mit schnell trocknender Farbe gestrichen hat, und dann den Zimmer Service angerufen hat und gefragt hat, was das mit der grellgrünen Farbe auf sich hat. Die wussten natürlich überhaupt nichts damit anzufangen, und haben ihm ein anderes Zimmer gegeben. Die zweite Anekdote, die noch nett ist, dass er in einem Nobelhotel geschafft hat, einen Esel mit auf sein Zimmer zu schmuggeln. Und hat dann für den Esel Stroh bestellt, die an der Rezeption haben natürlich nicht diesen Ballen Stroh mit nach oben geliefert, haben ihn dann aufgefordert, das Hotel zu verlassen.

Klingt unglaubhaft, aber du hast etwas ähnliches selber mit Johnny Cash erlebt?
In der Garderobe in der Pause des Konzerts, ich bin nach hinten gegangen, seine Frau hat Schnittchen verteilt, da war noch Butter übrig. Und die Abdeckung zur Klimaanlage war offen, da nahm er die Butter: „I show you a trick“ und warf die Butter in die Klimaanlage. Wir mussten alle lachen, wir konnten uns vorstellen, wie es dort nach ein paar Tagen gestunken haben muss.

© Falko Hennig

 

 

 

 


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DIE MUPPET-SHOW

Zu einem der frühen Höhepunkte der Radio Hochsee Themenabende gehörten Johnny Cashs Auftritte in der Muppet Show. Das "Orange Blossom Special" Duett mit Miss Piggy ist uns unvergesslich. Sofort entstand sowohl bei Doc Schoko als auch bei mir der Wunsch, einmal einen Themenabend über Kermit, Gonzo und die vielen anderen Puppen von Jim Henson zu veranstalten, doch es fehlte am geeigneten Experten.

Aber die vielen Nachfragen hatten Erfolg, Jörg Tensing, Drehbuchautor, Journalist und Muppetologe hat sich gemeldet und wird am 28. April (20 Uhr, Kaffee Burger) der Gast-Experte beim Themenabend "Die Muppet-Show" sein. Ich hoffe auf zahlreiches Publikum bei dieser erstmaligen Beschäftigung mit diesem Stück amerikanischer Kulturgeschichte. (Wiederholung: 18. Juni, 20.30 Uhr, Knorre).

 

 

 

 


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